Studienfahrt der FOS 02 und FOS 04 nach Auschwitz
"Hier wurde Millionen von Menschen ihre Vergangenheit und Zukunft geraubt."
Müde, aber wohlbehalten kamen die Schüler nach der 13- stündigen Busfahrt in Krakau an. Ausruhen? Fehlanzeige! Sofort starteten sie in den vollgepackten Tagesplan mit Stadtbesichtigung in Krakau und Erleben jüdischer Kultur. Ein jüdisches Klezmer Konzert bildete den krönenden Abschluss des Tages. "Niemand hätte gedacht, dass eine historische Stadt so schön sein kann", so die Gedanken vieler Schüler, als sie sich nach diesem anstrengenden Tag in die Hotelbetten warfen. "Ich wäre gerne noch länger geblieben.", hörte man am nächsten Tag nach der abschließenden Besichtigung des jüdischen Viertels von Krakau oft, als der Bus Richtung Auschwitz rollte.

Auschwitz. Ein Name, der nichts Gutes ahnen lässt. Doch tatsächlich fuhr der Bus in eine ganz normale Kleinstadt ein. Doch von Normalität blieb nicht viel, als die Schüler wenig später das Tor mit dem berüchtigten Schriftzug "Arbeit macht Frei" durchschritten. "Erst hier wird einem klar, zu welcher Grausamkeit Menschen fähig sind." "Ich versuche es mir vorzustellen, doch es geht nicht." Gedanken, die die Schüler bis in den nächsten Tag begleiteten, als es auch sogleich ins ehemalige Vernichtungslager Auschwitz Birkenau ging.

"Wir liefen über die Asche der Toten." "Nicht einmal Tiere hält man so." Das waren die Ausrufe vieler Schüler, als sie die kalten, engen und kahlen Baracken betraten. Mit diesen Eindrücken und Bildern im Hinterkopf empfingen die Schüler am letzten Tag den Zeitzeugen Wilhelm Brasse, der als Fotograf eingesetzte Häftling des Stammlagers Auschwitz I. Nach seiner beeindruckenden Geschichte verabschiedeten sich die Schüler um einige wichtige Erfahrungen reicher von diesem Geschichtsträchtigen Ort. "Die vom IBB organisierte Reise hätte nicht besser verlaufen können!" Diese wichtige Erfahrung hätten die meisten wohl ohne die Hilfe und Unterstützung des IBB Dortmund niemals machen können.
Jana Brück, Martina Stader, Alexander Gärtner
„Wir liefen über die Asche der Toten“
Vom 16. bis zum 21. November 2011 fand die Studienfahrt der Klassen FOS02 und FOS 04/1B mit insgesamt 52 SchülerInnen und drei Lehrkräften des Berufskollegs AHS Siegen nach Polen statt. Die Organisation und Durchführung de Reise geschah in Zusammenarbeit mit dem IBB Dortmund. Im Mittelpunkt der Fahrt stand die Konfrontation mit der deutschen und europäischen Geschichte und den Geschehnissen im Dritten Reich, mit der wir uns im Vorfeld im Unterricht intensiv auseinandergesetzt hatten. Von dem Erlebten wollen drei Schüler hier berichten.

Wir trafen uns am Abend des 16. Novembers an der Siegerlandhalle in Siegen. Von dort aus starteten wir mit teilweise etwas gemischten Gefühlen in Richtung Krakau. Nach einer dreizehnstündigen Busfahrt kamen wir zwar etwas erschöpft, aber ansonsten wohlbehalten in unserem Hotel an, wo uns sofort ein leckeres Frühstück und Kaffee erwarteten. Gestärkt und etwas wacher ging es anschließend an die Zimmerverteilung. Nach kurzer Erholungszeit ging es dann mit dem Bus auch schon sofort los in die Altstadt von Krakau. Dort angekommen, wurden wir klassenweise aufgeteilt und von jeweils einem Guide durch die Stadt geführt. Dabei besuchten wir einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, welche die Stadt zu bieten hat, wie zum Beispiel die Marienkirche, den Schlossberg mit dem Königspalast und den Altstädter Marktplatz. Unsere Guides schafften es, die Führung sehr interessant und informativ zu gestalten. Anschließend hatten wir dann noch etwas Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und einige Orte genauer unter die Lupe zu nehmen. Um die jüdische Kultur an diesem Abend zu erfahren, spazierten wir zum Ortsteil Kazimierz, wo wir zunächst ein Abendessen nach jüdischen Rezepten genossen. Gegen Ende des Essens lauschten wir den Klängen jüdischer Musik in Form eines Klezmer Konzertes. Mit Geige, Bass und Akkordeon begleitete uns die Musik durch den restlichen Abend. Gesättigt, erschöpft und mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir mit der Straßenbahn zurück zum Hotel, wo wir den Abend gemütlich ausklingen ließen. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück noch einmal in das jüdische Viertel Kazimierz. Dort wurden wir erneut von unseren Guides durch das „jüdische Krakau“ geführt. Bei der Führung sahen wir unter anderem einen bedeutenden Drehort des Filmes „Schindlers Liste“. Im Anschluss daran fuhren wir direkt mit dem Bus nach Auschwitz, eine Kleinstadt, 70 Kilometer von Krakau entfernt mit ca. 30000 Einwohnern. Dort, im Zentrum für Dialog und Gebet, sollten die weiteren Tage unserer Reise verbringen. Während der Fahrt kamen erneut gemischte Gefühle auf, da sich die meisten von uns nicht vorstellen konnten, an einem Ort, mit dem man so viel Schreckliches verbindet, zu wohnen. Das graue und kalte Wetter trug zu dieser drückenden Stimmung bei. Nach der Zimmerverteilung fuhren wir mit dem Bus nach Auschwitz I, das ehemalige Stammlager des Konzentrationslagers Auschwitz. Die eindrucksvolle Führung durch diesen düsteren historischen Ort fand erneut in zwei Gruppen statt. Beim Tagesrückblick am Abend erfuhren wir mehr über die Gefühle unserer Gruppenmitglieder, welche sich teilweise kaum in Worte fassen ließen. Am darauf folgenden Tag sahen wir uns dann das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz - Birkenau an. Die Eindrücke dort waren anders als am Tag zuvor, da die Baracken im Gegensatz zum Stammlager noch originalgetreu erhalten waren. Besonders beeindruckend waren hier die Ruinen der Krematorien mit dem Platz, an dem die Asche der vergasten Häftlinge verstreut wurde. Nach diesen grausigen Erfahrungen in den beiden Lagern wollten uns die Mitarbeiter des IBB Dortmund, die uns während der gesamten Reise begleiteten, Auschwitz als „normale Stadt“ zeigen, denn es schien uns unfassbar, dass die Menschen dort mit diesem bedrückenden historischen Hintergrund ein normales Leben führen können. Dies geschah in Form einer kurzen Stadtrundfahrt. Vielen von uns fiel es dennoch schwer, an ein normales Leben in dieser Stadt zu glauben. Dies wurde beim Tagesrückblick am Abend deutlich.

Am Sonntag, dem letzten Tag, lernten wir den 94 - jährigen Zeitzeugen Wilhelm Brasse kennen, der uns seine Geschichte erzählte. Er selbst war fünf Jahre lang Häftling im KZ Auschwitz und als Fotograf in Auschwitz I „eingesetzt“. Seine beeindruckende Geschichte war einer der Höhepunkte der Reise. Danach hatten wir die Möglichkeit, das Stammlager noch einmal auf eigene Faust zu erkunden. Am Abend der Heimreise verabschiedeten wir uns von diesem Ort mit einer Gedichtlesung, einer Schweigeminute und Kerzen zum Gedenken an die Opfer. Im Anschluss ging es mit dem Bus heimwärts und nach einer zwölfstündigen Fahrt kamen wir müde und erschöpft wieder in Siegen an. Um viele wertvolle Erfahrungen reicher ging es nach der Reise in den Alltag zurück.

Damit die schrecklichen Geschehnisse dieser Zeit nicht in Vergessenheit geraten, würden wir jedem jungen Menschen empfehlen, diesen Ort einmal zu besuchen. Die Konfrontation mit KZ Auschwitz verändert den Blickwinkel auf vergangene und aktuelle politische Ereignisse und sensibilisiert für Menschen und ihre Schicksale.
Jana Brück, Martina-Pia Stader, Alexander Gärtner
|