Projekt : Kindergarten-Akademie in Peking
Siegen/Peking. Die Idee, eine Kindergarten-Akademie in Peking zu gründen, wurde am Siegener Berufskolleg Allgemeingewerbe, Hauswirtschaft und Sozialpädagogik (AHS) geboren
Chinesische Erzieher sollen nach deutschen Kriterien ausgebildet werden. Während der Planungsphase konnten zwei weitere Projektpartner, die Dortmunder Gesellschaft für Bildung und Beruf und die Lippstädter Akademie für Kindergarten und Hort, mit ins Boot genommen werden. AHS-Schulleiter Armin Stöhr und Dr. Uwe Reinhold sind gerade von ihrer ersten Chinareise zurück. Eine Woche waren sie in Peking und haben viel zu erzählen. „Wir schauen gerne über den Tellerrand“, so Armin Stöhr. Für ihn gehören Auslandsaufenthalte zum Geschäft. Kontakte, die er knüpft, sind oft für Siegener Studierende von Nutzen.
In Peking besuchte die Delegation einige von 3000 Kindergärten. Was sie während ihrer Stippvisiten erlebten, hat ganz schön überrascht. „Ich dachte, es gibt einen Ball, mit dem dann alle spielen“, offenbart Uwe Reinhold. Aber gespielt wird in den meist privatwirtschaftlich organisierten Einrichtungen seltener. Jedes fünfjährige Kind musiziert auf einer Geige, und das dann auch im Orchester. Erzieher und Erzieherinnen spielen Klavier und sind bestrebt, Wissen zu vermitteln. Rechenaufgaben lösen und die englische Sprache lernen gehören ebenso zum täglichen Programm. Chinesische Eltern halten sich an die vorgegebene „Ein-Kind-Politik“. Sie sind bereit, die Hälfte ihrer Einkommens für die Ausbildung ihres Sprösslings auszugeben. „Sie wollen nur das Beste und nehmen notfalls einen Kredit auf“, erfuhr Uwe Reinhold. Besonders beeindruckt war er von der Tatsache, dass jeder Kindergarten über eine eigene Presseabteilung verfügt. „Noch als wir dort waren, sahen wir uns in veröffentlichten Berichten.“ Gibt es denn etwas, was die Projektpartner an die Chinesen weitergeben können? Armin Stöhr drückt es so aus: „Sozial sind sie völlig unbeackert“. Es fehlen in China pädagogisch ausgebildete Erzieherinnen, die den Anforderungen der neuen Mittelschicht genügen sowie grundlegende Fähigkeiten. „Wie macht man Projekte?“, eine Frage, die immer wieder aufkam. „Es spielt zwar jeder Geige, aber sie verfügen über kein pädagogisches Know-how“. Armin Stöhr erklärt weiter: „Sie erlernen Techniken, können diese aber nur in der Gemeinschaft anwenden. Es fehlt den chinesischen Erziehern die Idee zur Individualität. Sie sind nicht in der Lage, Kindern Selbstbewusstsein durch eine eigene Ausdrucksform zu vermitteln.“ Das während eines Austausches voneinander profitiert wird, ist die einhellige Meinung aller Beteiligten. Die geplante Kindergarten-Akademie soll die Basis für einen perfekten deutsch-chinesischen Austausch bilden. In den Osterferien auf große Reise Der nächste Besuch steht auf jeden Fall schon fest. Zwei Siegener Lehrkräfte gehen in den Osterferien auf große Reise und werden Workshops in bildender Kunst und kooperativem Lernen geben, bevor dann chinesische Lehrkräfte in Siegen erwartet werden.
Rita Petri, Westfälische Rundschau, Siegen, 21.01.2011
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