Mädchen - Macht - Mord …

Mädchen macht Mord ... dies waren die zentralen Elemente, die am Freitagabend, 17.06.2011, bei der Theateraufführung des Beruflichen Gymnasiums am Berufskolleg AHS in Siegen im Vordergrund standen. Zum zweiten Mal seit ihres Bestehens konnte die inzwischen über 14 aktive Mitglieder verfügende Theater-AG ein Stück auf die Aula-Bretter bringen. Nach dem Fauststoff des vergangenen Jahres wagten sich die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler aus den Klassen FSA 80, FSA 00 und FFA 00 unter der Leitung von Oberstudienrätin Corinna Merdes und kräftiger Unterstützung von Studienrätin Barbara Giesen-Martin nun an einen weiteren Klassiker: Schillers Räuber. Allerdings wurden die charakteristischen Räuber nicht nur zu modernen jungen Räuberinnen und somit die die alte Rollenverteilung umgekehrt, nein, das Ensemble änderte auch eigenwillig die Vorgabe “Räuber. Schiller für uns“ (theaterverlag) und verlieh damit dem Stoff um Liebe, Macht und Geld ein dramatisch blutiges Ende. Die Rivalität der Moor-Schwestern Charlotte und Franziska wird flankiert von groß angelegtem Betrug und dem Kampf um die Liebe eines Mannes (Benedict Friedrich). Während Franziska (wortgewaltig dargestellt von Anna Groos) als bessere Haushälterin den alten Vater (Jakob Faste) versorgt und Intrigen gegen ihre verhasste Schwester Charlotte (charismatisch interpretiert von Jasmin Jungholt) spinnt, gerät diese im Kreise ihrer Räuberinnen (Carola Flebs als schillerbegeisterte Jungschauspielerin, Agnes Schmidt als geldgierige Materialistin, Catharina Cramer als wortstarke Feministin, Christina Lioumbas als undurchsichtige Autonome, Rozelin Atug als Super Nanny, Hannah Mehrbrodt als überzeugender Computerjunkee und Sarah Kühnle als jugendliche Gelegenheitsdiebin) immer tiefer in den Strudel der Macht. Charlottet tötet einen Menschen, nimmt einen Polizisten (Leon Kroll) als Geisel und muss sich doch am Ende der Kommissarin (Melissa Angermund) geschlagen geben.

Neben ausdruckstarkem Schauspiel mit deutlichem Schwerpunkt auf den zentralen Dialogen und Monologen, klarer Symbolik bei Bühnenbild und Beleuchtung (Leon Kroll), nutzte das Ensemble auch die Möglichkeiten der modernen Technik. So wurden zum Beispiel via Beamer ein blutiger Überfall als filmischer Bestandteil des Stückes miteingeflochten und auch die inhaltlich darauf bezugnehmende Nachrichtensendung sehr authentisch präsentiert. Auch bei dieser Inszenierung spielte Musik wieder eine wichtige Rolle, dröhnenden Bässen und melancholischen Melodien gelang es, den Zuschauer bei der recht kurzweiligen und auch humoristischen Darstellung in die richtige Stimmung zu versetzen, eben in den Sog von Mädchen, Macht und Mord.
Corinna Merdes

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